Vortrag

Vergessene Nazi-Opfer: Die Zeugen Jehovas. Vortrag mit Prof. Wolfgang Benz

Herzlich willkommen am 29.09.2026 um 19 Uhr im Gothaer Tivoli!
Wann:
Dienstag, 29.09.2026
19.00 Uhr - 21.00 Uhr
Einlass: 18.45 Uhr
Preis:
frei
Veranstalter:

Bildung vereint e. V.
Telefon: 03621/757598

Wo:
Tivoli Gedenkstätte
Am Tivoli 3
99867 Gotha
Link:
www.bildung-vereint.de

Die Zeugen Jehovas, auch Bibelforscher genannt, gehörten – lange Zeit relativ unbekannt - zu den allerersten Opfern der Nazi-Herrschaft. Dabei widersetzte sich keine andere Religionsgemeinschaft mit einer solchen Unbeugsamkeit dem Anpassungsdruck des NS-Regimes. Viele Zeugen Jehovas mussten für ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlen. In den USA in den 1870er/80er Jahren entstanden, etablierten sie sich ab 1897 in Deutschland, wo sie nach dem Ersten Weltkrieg einen starken Mitgliederzuwachs verzeichneten. In völkisch-nationalistischen Kreises machte sie nicht nur ihre radikale Absonderung von Staat und Gesellschaft, sondern auch ihre Fixierung auf alttestamentarische Schriften, die sie seltsam „jüdisch“ anmuten ließ, schnell verdächtig, sodass einige spätere NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg sich schon frühzeitig auf diese "amerikanische Sekte" einschossen. Die Bekämpfung der religiösen Verächter deutscher Ordnung wurde daher gleich nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 staatspolitisches Programm. Denn eine Gemeinschaft, die den "deutschen Gruß" ebenso wie das "Ehrenrecht" des Wählens ablehnte, konnte ein nach Loyalitätsgesten süchtiges System wie der Nationalsozialismus nicht tolerieren. Bereits der "Tatbestand" des Nichteinfügens in den "Volkskörper" wurde als zersetzende Geste empfunden und abgestraft. Schon im Frühjahr 1933 erlassen daher die ersten drei deutschen Länder Verbote gegen die Zeugen Jehovas. Ihre Verfolgung durch den NS-Staat entwickelte sich ab 1933 zu einer Eskalationsspirale, der ihre Anhänger zu konsequenten Widerständlern machte.  Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Situation der Zeugen Jehovas weiter, wurde ihre Tätigkeit doch nun nicht mehr nur als illegal, sondern auch als Wehrkraftzersetzung betrachtet. So waren die Zeugen Jehovas die einzige Gruppe im NS-Staat, die den Kriegsdienst kollektiv ablehnten. 2000 Zeugen Jehovas werden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen fast 1500 ihren unerschütterlichen Glauben und ihre strikte Verweigerungshaltung gegenüber dem NS-Staat mit dem Leben bezahlten.

Prof. Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, spricht am Dienstag, 29. September um 19.00 Uhr im Gothaer Tivoli (Am Tivoli 3) über die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit, die sich wie keine andere Religionsgemeinschaft mit einer enormen Unbeugsamkeit dem Anpassungsdruck des NS-Regimes widersetzte. Es laden ein: Bündnis gegen Rechts - Gotha ist bunt e. V., der Förderverein Gothaer Tivoli e. V., Bildung vereint e. V. und der Verein für Stadtgeschichte Gotha e. V.  im KommPottPora-Netzwerk, gefördert durch: Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte.