Vortrag
Wie und zu welchem Ende schreibt man die Biographie eines Unbekannten?
- Wann:
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Mittwoch, 25.11.202617.45 Uhr - 18.45 UhrEinlass: 17.00 Uhr
- Preis:
- frei
- Veranstalter:
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Forschungszentrum Gotha
Telefon: 0361 737 1712 - Wo:
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Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloßberg 2
99867 Gotha
Eintritt frei – alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Wie und zu welchem Ende schreibt man die Biographie eines Unbekannten?
Peter Friedrich Hoffbauer (1750-1823)
Peter Friedrich Hoffbauer, der zwischen 1787 und 1807 als Rat an der Kriegs- und Domänenkammer in Minden tätig war, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Lediglich in der Geschichtsschreibung zu den Agrarreformen im preußischen Westfalen erscheint er als ein besonders rühriger und effizienter Gestalter des gesellschaftspolitischen Wandels.
Bekanntlich sind Biographien eine problematische Gattung. Überwiegend werden historische Gestalten gewählt, deren gesellschaftliche Stellung historische Wirkungsmacht zu verbürgen scheint und deren Prominenz verkaufsfördernd wirkt. Im besten Fall liefert die Darstellung der Lebensumstände einer Person eine plastische Vorstellung von einem bestimmten historischen Milieu: Die Schilderung ihrer Handlungsweisen konturiert ihre Handlungsspielräume, die sie wahrgenommen und genutzt hat. Häufig verraten Biographien jedoch mehr über deren Autor als über die dargestellte Person. Zwar wird jede historische Darstellung von der eingenommenen Perspektive geprägt, bei Biographien kommt jedoch hinzu, dass die literarischen Gattungstraditionen die Folgerichtigkeit eines gelebten Lebens nahelegen.
Wozu dann eine weitere Biographie? Das geplante Buch geht konsequent von der Überlieferung aus. Da werden Sie denken, das macht doch jeder seriöse Historiker so. Die Biographie von Peter Friedrich Hoffbauer ist jedoch insoweit anders angelegt als gebräuchlich, als die einzelnen Kapitel jeweils eine Quelle oder eine Quellengattung ins Zentrum stellen, und andere Quellen lediglich zu deren Kontextualisierung nutzen. Dadurch soll erkennbar werden, welche Aussagen durch die einzelnen Sorten der Überlieferung ermöglicht werden, welche Perspektivierungen die Quellen von sich aus nahelegen, und wo die Interpretationen des Historikers beginnen. Leserin oder Leser sollen so in die Lage versetzt werden, die gewählte Perspektive auf Anhieb zu erkennen, ihr mit Freude zu folgen oder sie verärgert infrage zu stellen.
Redner: Stefan Brakensiek (Duisburg/Essen)
Dr. Stefan Brakensiek war von 2006 bis 2022 Universitätsprofessor für Geschichte der Frühen
Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen. Er studierte an der Universität Bielefeld Geschichte und
Literaturwissenschaften. Mit einer Arbeit zu „Agrarreform und ländliche Gesellschaft“ wurde er in
Bielefeld promoviert und habilitierte sich dort 1997 mit einer Schrift zum Thema „Auf dem Weg zum
Staatsdiener. Richter und Verwaltungsbeamte in Hessen“. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen
die Geschichte des ländlichen Raums und die Geschichte der politischen Kultur ebenso wie Justiz und
Verwaltung als soziale und kulturelle Praxis.




